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Kryohibernation, Ende unser Exalted Chronik, Dungeons and Dragons und die Verrückten von Frontier

Kategorien Erfahrungen eines Spielleiters, Neuigkeiten, Ramble, Rollenspiel

Hi. Ich lebe.

 

Selten haben mich ein paar Hausarbeiten deartig in Beschlag genommen, aber dafür habe ich jetzt nur noch meine Masterarbeit (yessszzzz!) vor mir. Wir haben es durchaus geschafft zwischendurch immer mal wieder zu spielen, aber mit meiner begrenzten Zeit fürs RP hat sich leider abgezeichnet, dass ich Exalted 3rd Edition als wöchentliche Ablenkung nicht vernünftig leiten kann. Nicht mit dem Mangel an Material, nicht als Spielleiter mit wöchentlichen Sessions und vor allem nicht mit Essenz 5 Spielercharakteren. Schon als ich die Entscheidung getroffen hab, wusste ich, dass ich es vermissen würde, und oh boy, ich lag damit richtig.

Exalted 3rd Edition ist, ich glaub das kann ich nach mehr als über 1 Jahr wöchentlicher Sessions sagen, die beste Edition von Exalted. In meinen Augen hat sie nur 2 sehr große Nachteile, die beide in Kombination dafür gesorgt haben, dass wir unsere Chronik beenden mussten

  1. Die Komplexität von Spieler und Gegnercharakteren. In Exalted kommen die Kräfte der Spieler über sogenannte, mit Exp gekaufte Charms, die es den Spielern erlauben neue coole Dinge zu tun, oder besser in dem zu werden, was sie bereits können. Jede Fähigkeit besitzt ihr eigenes Set an Charms. Insgesamt gibt es glaub ich weit über 700 Charms allein für die Solars. Mit einer Gruppe von Spielern, die das System auch dafür spielen, auf Demi-Götter Level Anime-Style herausfordernde Kämpfe zu bestreiten, ist es ein absurder Arbeitsaufwand Gegnercharaktere und/oder Gruppen zu erstellen, die annähernd so mächtig sind wie die Spielercharaktere. Da hilft es auch nicht, dass es das Quick Character (QC) gibt, um Gegner zu vereinfachen. Ich mein es hilft, aber nicht wirklich bei der Erstellung der Gegner, sondern nur bei der Nutzung von ihnen im Kampf. Und das erfordert noch immer, dass man als Spielleiter den gesamten Kampf (Exalteds Kampfengine ist geil, aber auch nicht die simpelste) und alle Fähigkeiten der Gegner im Hinterkopf behält, um sie einzusetzen. Genügend Fähigkeiten um 5 Spielern mit je ~600exp an Charms (also ungefähr 70 Charms pro Charakter!) zu beschäftigen. Ohne einen Storyteller Guide und vor allem gedruckte Materialien mit Wesen, die für solch eine Gruppe eine Herausforderung bieten (ich rede hier nicht nur vom Kampf, sondern allgemein), dauert es einfach zu lange alles zu schreiben. Im niedrigen Essenzbereich war das alles kein Problem. Da konnte ich einfach das Corebook und die Minierweiterungen (Hundred Devils Night Parade und Adversaries of the Righteous) nehmen, Kräfte/Stats erweitern, mixen und verändern und so einen Haufen von Antagonisten und Verbündeten erschaffen ohne ins Schwitzen zu geraten. Aber als wir dann auf Essenz 4 zugesteuert sind, war so ziemlich alles an Material aufgebraucht und teils sogar schon mehrfach recycelt.
  2. Zu wenig Setting. Ich weiß die früheren Editionen hab zu viel des Guten betrieben. Zu viel Backgroundstory von Dingen, die niemals relevant werden können und viel erklärter und festgelegter Metaplot, den man nicht so einfach umgehen konnte, ohne große Teile des Settings zu invalidieren. Das mein ich aber auch gar nicht. Ich mag den Ansatz in der 3rd Edition alles offener zu lassen, um mehr Raum für ST und Spieler zu geben die Lücken auszufüllen. Aber es wäre schön, wenn das auf verschiedenen Ebenen laufen würde. Nicht im großen Kontext der wichtigen Anlaufstellen des Exalted Metaplots, sondern auch auf lokaler Ebene. Wer im Moment Exalted leiten will, muss im Grunde jede einzelne Stadt, jedes einzelne Dorf, jeden einzelnen Stadtgott, jeden einzelnen lokalen Helden, (fast jedes) einzelne Mitglied einer Wyld-Hunt vollständig selbst schreiben. Logisch, nich wahr? Ist ja der Job eines Spielleiters. Tjo, aber schwierig komplett ohne Anleitung mit Spielercharakteren, die innerhalb eines Abends theoretisch die halbe bekannte Fläche der Schöpfung erreichen können. Zumindest wenn man möchte, dass das, was man schreibt, Charakter hat. Ich bin schlecht im spontanen Erstellen von charmanten Charakteren und Orten. Aber ich bin gut im extrapolieren. Nur leider kann ich das noch nicht, da ich zu wenig hab, von dem ich ausgehen kann.

Man merkt, beide Punkte laufen auf das selbe Problem hinaus. Zu wenig Material. Zumindest für Vielspieler wie uns. Wir haben es mit den veröffentlichten Materialien immerhin geschafft über 1 Jahr durchgehend zu spielen. That’s pretty darn good for a Core-Rulebook. Zum Glück hat das neue Dev-Team von Exalted bereits den Dragonblooded Kickstarter (hier, gebt ihnen euer Geld!) gestartet und so wie ich das verstanden habe ist der DB Splat schon vollständig geschrieben. Das Setting Buch für das Realm schon auch gut zu laufen, auch wenn die Lieferung für das Realm Buch erst 2019 sein soll. Sehr schade, aber hey, immerhin ein Fortschritt! Die Qualität von Arms of the Chosen stimmt mich da sehr optimistisch.

Jedenfalls sind das die Gründe warum wir unsere Exalted Chronik erstmal eingefroren haben. Heißt aber nicht wir haben mit dem RP aufgehört. Begeistert von der sehr unterhaltsamen Twitch Show von Critical Role haben wir mit Dungeons and Dragons (5. Edition) angefangen. Während die einen sehr begeistert sind (endlich wieder ein 2. Meister in unserem Freundeskreis wuhuuuuu), haben wir leider auch einen Spieler verloren, dem das System von Anfang an viel zu einschränkend gewesen ist. Und während ich die unglaubliche Einfachheit und Geschwindigkeit von Dungeons and Dragons unglaublich genieße, besonders am Anfang hab ich das genossen, kann ich sehen warum er sich so entschieden hat. DnD macht seinen Job. Es ist einfach und schnell.
Die Welt ist klassisch und braucht wenig Arbeit, da man so viele Beispiele hat, aus denen man eigenes Material extrapolieren kann, oder einfach vorgefertigte Abenteuer aus offizieller oder inoffizieller Hand beziehen kann. Es ist beliebt und für alles gibt es irgendwen, der sich damit auseinandergesetzt hat. Das ist wahrlich angenehm. Wir spielen im Moment das Abenteuer „Curse of Strahd“ und ich mag, wie das Abenteuer Buch aufgebaut ist. Meine Spieler brauchen noch einiges an Eingewöhnung, da in DnD plötzlich ganz andere Dinge wichtig sind, als wenn man einen Demi-Gott in Exalted spielt, aber im Großen und Ganzen sind alle relativ zufrieden.

Auch wenn sich die Begeisterung im Vergleich zu den Anfängen von Ex3 in Grenzen hält. Das RNG so viel mehr im Vordergrund, dass es schon beinahe lächerlich ist. Charaktere in DnD sind unglaublich inkompetent. ~5%tige Chance automatisch auf jeder relevanten Handlung zu versagen? Ich weiß, dass man die Mechaniken eines Spiels nicht mit den physischen Gesetzen der Welt gleichsetzen darf, aber das ist lächerlich hoch drei. Mit 5 Level 3 Charaktere haben wir über 7 Spielrunden auf einen AC 15 Gnoll eingeschlagen (der niedrigste Attack-Modifier war +4, die meisten waren zwischen 5 und 7), während der im Alleingang 1 SC getötet und 2 weitere schwer verletzt hat. Das ist… nicht etwas, das in den ersten Sessions passieren sollte. Noch habe ich keine Ahnung ob sie das auf höheren Leveln fügt, aber je mächtiger meine Spieler werden, desto mehr stört mich diese Wahrscheinlichkeit.

Eine andere Sache, die mir aufgefallen ist, sind die begrenzten Möglichkeiten von „gewöhnlichen“ Charakteren, die über keinen Zugang zu Magie verfügen. Aber da habe ich das Spiel noch nicht lange genug gespielt, um wirklich ein Urteil zu fällen. Es erscheint mir lediglich so, dass die nicht-Magier nur im Kampf in einer von ihnen speziell gewählten Nische nützlich sind. Ich beziehe das natürlich nur auf Dinge mit tatsächlicher Systemunterstützung. Gutes Rollenspiel ist immer separat zu betrachten. Nur machen Optionen es deutlich leichter kreativ zu werden. Ich spiele im Moment einen Lvl 4 Fighter (Battlemaster), hab meine Möglichkeiten in einem Kampf gefeiert, einen Loop gefunden (Sentinel/Polearm Mastery -> Trip Attack -> Dmg) und bin nicht gespannt auf künftige Kämpfe, was aber das Einzige ist, was von der Klasse so wirklich unterstützt wird. Meinen Optionen sind furchtbar limitiert. Ich bin froh, dass wir nach Meilensteinen spielen, da allein die Vorstellung mit diesem Charakter (aus Gameplay Sicht – nicht RP-Sicht!) noch mehrere Sessions und Kämpfe zu spielen, furchtbar einschläfernd ist. Wahrscheinlich hätte ich die Notbremse ziehen und Eldricht Knight wählen sollen. Die scheinen deutlich mehr Optionen zu haben.

Und was ist mit dem Rast-System? Ich weiß nicht, ob ich es richtig verstanden habe, ich hoffe ehrlich gesagt nicht, aber was ist der Hintergedanke dabei Magiern vor allem, aber auch vielen anderen Klassen, Fähigkeiten zu geben, die es sehr attraktiv machen nach jedem unglücklichen Encounter (nicht größeren oder schweren – unglücklichen Encounter!) 8 Stunden (!!!) zu rasten? Wir hatten jetzt schon mehrfach Situationen, in denen diese Mechanik zu sehr merkwürdigen Ergebnissen/Situationen im Spiel geführt hat. Da werde ich mir, sobald meine Spieler und ich, mehr Erfahrung mit dem System gesammelt haben, alternative Regeln überlegen.

Auch wenn mich so ein paar Dinge stören, im Großen und Ganzen ist DnD ein ganz nettes System. Ich kann sehen warum es so beliebt ist, für uns ist es im Moment erfrischend und mal etwas anderes, aber für mich ist es definitiv kein langfristiges System. Ich denke nicht, dass ich es nach der Strahd Chronik weiter leiten oder langfristig mit einem nicht-Magier Charakter als Spieler spielen werde.

 

Ich erwähnte, den Spieler, der sich wegen DnD aus unser Spielergruppe verabschiedet hat… Mit ihm schreibe ich jetzt an einem eigenen System und Setting. Für uns beide ist es ein Pilotprojekt und ich habe auch noch keine Ahnung wie weit wir kommen werden. Ich weiß nur zu gut wie schwer es ist langfristig solche Hobbyprojekte zu pflegen und zu einem Ende zu bringen.

Jedenfalls läuft es bei uns unter dem Arbeitstitel „Frontier“ (definitiv nicht der endgültige Name) und es wird ein taktisches Science-Fiction + Fantasy Space Rollenspiel mit einem Fokus auf dem Aufbau der eigenen Basis und Charakterentwicklung. Jeder Spieler spielt einen Überlebenden einer Weltraum-Station, der aus diversen Gründen in einen völlig unbekannten Teil des Weltraums, weit weg von Zuhause, geschleudert wurde. Entweder gab es einen Crash auf einem fremden Planeten oder halb zerstört schwirren die Überreste der Station im unbekannten System umher… Egal was geschehen ist, schon bald werden die Charaktere in ihrem Überlebenskampf mit fremdartigen Wesen konfrontiert, die sie vor völlig neue Herausforderungen, aber auch Gelegenheiten und Chancen stellen.

 

Soweit so gut. Ich werde mal schauen. Vielleicht wird es hier auf dem Blog das ein oder andere Dev update geben, aber im Moment sind wir noch sehr in der Konzeptphase und müssen uns erstmal auf ein paar Ideen einigen (es wird Space-Snails geben… Die als Raumschiffe dienen können und gezähmt werden können… PRAISE THE SPIRAL). Vielleicht wird es auch einen eigenen Blog für das System geben, sobald wir uns über das grundlegende Projektmanagement geeinigt haben.

 

Drückt uns die Daumen!

Seit nun über 3 Jahre bin ich begeisterter Spielleiter für Rollenspiele. In erster Linie spielen wir Exalted (die Hohen) und sind mittlerweile auf die 3. Edition umgestiegen. Aber ich habe auch schon Erfahrungen mit Splittermond und Numenera (ich liebe System und Welt) gesammelt. Als Spieler kämen da dann noch DSA hinzu mit dem ich quasi angefangen habe. Aber jetzt leide ich unter dem typischen Spielleiterfluch. Selbst komme ich nur noch selten zum spielen. :D

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