Freier Fall von einem Abenteuer in eine freie Chronik

Categories Die Hohen (Exalted), Rollenspiel

Ich musste leider feststellen, dass es für Exalted nur wenige, bereits geschriebene Abenteuer gibt, die man mit seiner Gruppe spielen kann. Wir hatten bis jetzt nur 2 Gruppen, die solche gespielt hatten und trotzdem sind wir schon gut mit etwa 70% des Materials durch. Und das bezieht Material ein, das wir von der ersten auf die zweite Edition portieren mussten (Time of Tumult zum Beispiel).
Für meine Gruppe habe ich mir „Return of the Scarlet Empress“ reserviert und bin recht froh darüber, da mir das einen Ausfallplan gibt, wenn ich merke, dass meine eigenen Storylines in der freien Chronik abstrus oder einfach uninteressant werden.

Das eigentliche Thema dieses Beitrags ist der Wechsel von einem geschriebenen Abenteuer zu einer freien Chronik.
Im Fall meiner Gruppe haben wir zuerst „Disease of an Evil Consciousness“ gespielt. Eine kleine Stadt wurde von einer magischen Seuche befallen und der auf der Suche nach einer Heilung geriet der Zirkel in einen Krieg zwischen Tain, einem der Todesritter von Maske der Winter, und der marukanischen Hauptstadt Celeren. Sie besiegten Tain in seiner unermesslichen Arroganz, retteten Celeren unter einem farbenprächtigen Brennen ihrer Animas, stellten sich einem uralten Behemoth eines Waldes und der Göttin, die ihn kontrollierte und einer ließ sich als Kind der Sonne und als Kriegsheld unter seinem normalen Namen feiern. Die Seuche wurde kuriert und sie haben damit das Wohlwollen von einer irdischen Göttin und einem himmlischen Gott errungen. Abgesehen davon, dass sie jetzt über die kompletten Scavenger Lands bekannt sind und schon sehr bald darüber hinaus, haben sie so ziemlich den besten Pfad eingeschlagen.

Nach diesem Abenteuer wurde sich eine freie Chronik gewünscht. Und ich kam diesem Wunsch natürlich sehr gerne nach. Das Problem ist, das ich als neuer Meister nicht wirklich verstehe was dabei wichtig ist. Auch meine Spielererfahrung hält sich noch in Grenzen, was es nicht einfacher macht.

Ich habe jetzt in den ersten Sessions der freien Chronik einen klaren Abfall in Qualität gemerkt. Ein Teil davon ist ganz klar dem einfachen Fakt zu verdanken, dass wir immer nur kurze Sessions von maximal 3 1/2 Stunden hatten. Das ist gerade genug damit es sich mal lohnt, aber wirklich warm wird man damit nicht wirklich.
Mir war klar, dass es so etwas in der Richtung geschehen würde. Die Krücke des vorgefertigten Abenteuers, der Szenen, Beschreibungen und Charaktere ist weggefallen und ich muss erstmal lernen zu gehen. Dann irgendwann kann ich vielleicht auch rennen. Zum Glück ist meine Gruppe recht vokal mit Kritik und bringt die auch kompetent rüber.

Mein größtes Problem war bis jetzt die Gruppe erstmal zusammenzuhalten. Nach dem ersten Abenteuer hätte sich die Gruppe einfach trennen und getrennte Wege gehen können. Haben sie zum Glück durch ein wenig Meta Gaming und kleinen Charakterbiegungen nicht getan. Sonst wären sie von der Wyldhunt verfolgt wieder zusammengetrieben worden. So im Nachhinein wäre das vielleicht sogar das Beste gewesen, was aus Sicht einer kohärenten Erzählung hätte geschehen können…

Aber nun gut, mein zweites Problem ist, dass die Spieler sich zwar in einer freien Chronik befinden, aber nicht so wirklich „frei“ handeln. Zumindest aus meiner Sicht. Einer will lernen Artefaktwaffen zu schmieden, zeigt aber keine Eigeninitiative herauszufinden wie genau das geht.
Einer will eigentlich nur sein Dorf beschützen, obwohl er die Motivation hat alle Abyssals und damit auch die Maske der Winter zu vernichten.
Der letzte im Bunde hat einen Charakterwechsel vollzogen und spielt mit einer frischen Zenit Kaste, die im Grunde die Welt von aller Korruption reinigen und sich seinen eigenen Kult aufbauen möchte.
Viel Potential, aber leider geht kein Spieler seiner Motivation wirklich nach. Sie warten, dass ich ihnen einen Questmarker hinklatsche, damit sie dem folgen können. Habe ich auch getan, aber aus meiner Perspektive fühlt sich das immer sehr gezwungen an.

Aber gut, die erzwungene Einführung war jetzt nicht sooo schlecht, sie hätte schlimmer sein können, wie mir meine Spielererfahrung gezeigt hat. Ich hoffe, dass nach dem Auftakt zur Einführung eines übergeordneten Geschehen in der Welt, die Gruppe selbstständiger wird. Sonst werde ich mich wirklich daran setzen müssen selbst ein paar vorgefertigte Abenteuer zu schreiben und die dann einfach zu spielen. Auch wenn es mir lieber wäre meine Spieler ein wenig zur Selbstständigkeit zu erziehen.
Aber wie ich das hinkriege, muss ich erst noch herausfinden.

Seit nun über 3 Jahre bin ich begeisterter Spielleiter für Rollenspiele. In erster Linie spielen wir Exalted (die Hohen) und sind mittlerweile auf die 3. Edition umgestiegen. Aber ich habe auch schon Erfahrungen mit Splittermond und Numenera (ich liebe System und Welt) gesammelt. Als Spieler kämen da dann noch DSA hinzu mit dem ich quasi angefangen habe. Aber jetzt leide ich unter dem typischen Spielleiterfluch. Selbst komme ich nur noch selten zum spielen. :D

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