Lichtfeder, die trauernde Klinge mit Tränen aus grauen Federn

Kategorien Die Hohen (Exalted)

Ich darf die erste Fassung der Hintergrundgeschichte von Lichtfeder, einem Rating 4 Artefakt, für die 3rd Edition von Exalted präsentieren. Es ist gedacht ein Reaper Daiklaive zu sein, da es das Schwert von Eternal Nova, der Gründerin (oder potentiell dem Gründer… Bei mir ist es eine Sie) des Single Point Shining Into The Void Stils ist. Und es halt am besten zu dem Stil passt.

Fassung 1

Die ersten Momente von Lichtfeders Bewusstsein waren geprägt von dem weichen, und warmen Licht der Sonne, in dem sie langsam unter den zärtlichen Händen ihres Vaters Form annahm. Das Bad umschloss ihre Form und während sich ihre Sinne formten, was gemessen in Menschenzeit 307 Jahre brauchte, kannte sie nichts Anderes als das Licht und die Berührung ihres Vaters, den steten Rhythmus sanfter Schläge, die ihr mit Liebe und Respekt gefüllte Erinnerungen an ihre Mutter Ewige Nova brachten. Gleichzeitig aber vernahm sie auch Trauer und Verdruss im Herzen ihres Vaters, denn mit jedem Schlag schüttete er sein Herz in sie hinein. Seine strahlend goldene Statur und Gestalt, die heller schien als das Licht, das sich wie eine Decke um sie schmiegte, mochte vielleicht die anderen strahlenden Kinder täuschen, aber nicht sie, die ihm näher war als jeder anderer. Denn sie war seine Tochter, geschmiedet aus dem Licht seines Herzens und dem Licht seiner Erinnerungen und Gefühle. Sie verstand den Schmerz zu wissen, dass ihre Mutter nie eine richtige Tochter zur Welt bringen würde. Der Kampf und Fluch der Urzeitlichen hatte sie beide hart getroffen und ihnen den größten Wunsch genommen, für den sie während des Krieges gekämpft hatten.
Jedoch war sie kein einfacher Ersatz. Sie wusste und spürte es mit jeder Faser ihres noch unvollständigen Körpers. Sie war mehr als die Tochter, die sie nie haben würden. Sie war der Wunsch solch Kriege zu vermeiden, die Konflikte anders zu lösen, damit niemand leiden musste. Damit die Wünsche und Träume aller zu beschützen, sodass sie niemals wie Seifenblasen platzen würden. Aber gleichzeitig verstand sie, dass dies selbst ein schier unmöglicher Traum war. Die Unbesiegte Sonne selbst, die Quelle von all dem Licht, das ihr Leben und Gefühle, Vater und Mutter gebracht hatte, verdankt seine Geburt der Existenz von Konflikten, denn ohne Konflikte gab es keinen Wert darin unbesiegt zu sein. Sie zu lösen ist ein absoluter Teil des Lebens. Sie verstand und während sie dachte, fand sie ihre Lösung. Bis zum letzten Moment würde sie schlummern, sie würde zuhören und sie würde Rat zum rechten Weg geben. Kann der Konflikt nicht gelöst werden, wird sie handeln. Schneller als das Licht, in dem sie gebadet wurde und so entschieden wie es erdenklich war. Sie würde so viel Leid verhindern wie sie konnte. Sanft wie eine Feder geboren aus Licht, geführt von Entschlossenheit und Verständnis mit dem Willen den Konflikt und alles, was an ihm hing, zu schneiden und weitere Konflikte zu verhindern. Das war ihr Ideal. Und sie wuchs in es hinein.

Sie spürte den Stolz ihres Vaters, als er sie am Ende ihrer Geburt aus dem Bad des Lichts erhob, vorsichtig wie ein Neugeborenes. Auch wenn sie wusste, dass sie kaum ein zweites Mal jene Geborgenheit spüren würde, wusste sie auch, dass sie stark genug war, sie nicht mehr zu brauchen. Denn das Licht war nun ihres. Als die Hände ihres Vaters sie führten, erstrahlte Lichtfeder in den Farben seines Herzens und seiner Macht. Sie würde nun das badende Licht für die anderen sein. Und gegenüber jenen, die ihr Licht nicht ertragen konnten, würde sie sich schützend zurückziehen. Ihr Vater schmiedete ihren Schutz als Teil von ihr. Denn als sie in die Welt blickte, wurde ihr klar, dass auch Güte und guter Wille Böses bringen konnte. Starkes Licht wirft starke und scharfe Schatten. Und manchmal musste sie sich zügeln, um nicht mehr Leid zu bringen als sie zu verhindern versuchte. Sie musste ihr Licht dämpfen. Denn sie beobachtete, hörte zu und erteilte Rat. Sie handelte erst im letzten Augenblick, dann wenn keine Versöhnung mehr möglich war, aber dann war sie absolut. Ihr Wille war es resolut zu sein, wenn sie zum Handeln gezwungen wurde.
Ihre Scheide war daher ihr Ort der Zuflucht vor der Welt und gleichzeitig der Schutz der Welt vor ihr. Ihr Wesen konnte nicht ohne sie existieren, wodurch sie unzertrennlich wurden. Sie konnte ihre Hülle nicht verlieren und ihre Hülle konnte nicht ohne das Licht, das sie umgeben und bändigen sollte, existieren. Sie bedingten einander um der Welt willens.

Nachdem ihr Vater sie das erste Mal erhoben hatte, erzitterte sie und das Licht der Welt mit ihr. Denn ihre Mutter war dort. Noch in den Händen ihres Vaters spürte sie die Tränen, die sie über die strahlende Klinge ihrer Träume vergoss. Lichtfeder spürte das erste Mal Verlangen gehalten zu werden und ihre Mutter zögerte nicht, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Sie ergriff den schlichten, aber vibrierenden Griff der Katana und das Licht brach in einem Schwall goldener Federn aus ihr hervor, die wie Regentropfen an ihren Wangen zerplatzten und sich verspielt erneut zusammensetzten in einer schier ewigen Prozession der Freude endlich geboren zu sein und gehalten zu werden.

Ewige Nova führte sie weise, bestimmt und liebend. Lichtfeder vergaß nach den ersten Stunden, dass es nur Erinnerungen waren, die Ewige Nova zu ihrer Mutter machten, denn sie verkörperte alles, was ihr Vater liebte. So liebte auch sie. Sie beobachtete, schaute zu, erteilte Rat, wenn ihre Mutter Zweifel hatte, und handelte, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gab. Sie war ihrer Mutter Licht, denn sie hatte keins und wurde auch nie von der Sonne selbst erwählt. Dafür aber wusste sie, wie sie ihrer Tochter das Dasein versüßen konnte. Es dauerte nur wenige Tage, bis sie Lichtfeders Vorliebe dafür poliert und gesäubert zu werden entdeckte. Kurioser Weise war es nicht der Akt selbst, der ihre Tochter ein rosarotes Leuchten auf die Schneide trieb, sondern der darin versteckte, physische Ausdruck tiefer Zuneigung, an die sie sich bis zum heutigen Tag nicht gewöhnen konnte. Sie war Liebe im Geiste gewöhnt und hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie etwas anderes gespürt, und doch war ihre Schneide für alle anderen Gefühle äußerst empfänglich. Sie musste in jenem entscheidenden Moment, der einem Wesen das Leben kostete und alles, was an seinem Konflikt hing, alles von ihm empfangen. Hass, Wut, Verzweiflung, Angst, oder auch Dankbarkeit. Und all die anderen Gefühle, die sich in den Wesen der Schöpfung tummelten. Manche verwirrten sie, manche machten ihr Angst und manche machten sie wütend. Wieder andere ließen sie rosarot leuchten. Ein Glück, das sie ihre Zuflucht hatte, um der erdrückenden Zuneigung ihrer Mutter zu entgehen. Für alles andere, so dachte sie, würde sie ihre Hülle nie brauchen. Die Schrecken der Welt würden an ihr abprallen. Ihr Wille war absolut. Sie würde sich nicht biegen. Denn sie war Lichtfeder, die Klinge aus Licht mit dem ewigen Willen zur Hoffnung, Tochter von Teberion und Ewige Nova, der rechte oder letzte Weg im Konflikt.

Ihr Vater starb. Getötet von den eigenen Vertrauten. Es änderte alles. Das erste Mal verspürte Lichtfeder den Schmerz von Verlust und Angst, als die Welt plötzlich ihr Licht verstieß. Er hatte ihr Leben gegeben, Liebe geschenkt und sie ihrer Mutter anvertraut. Aber nun konnte er sein Versprechen nicht mehr einlösen sie eines Tages selbst zu führen. Als Schwert verstand sie seinen Tod nicht anders, denn sie wusste, dass seine Macht wieder Teil des ewigen Lichts der Sonne wurde und irgendwann zurückkehren würde. Aber niemals würde der Mann, der sie mit den eigenen Händen aus dem Bad seines Lichts in die Welt erhoben hat, ein weiteres, ein letztes Mal seine Hände an ihren Griff legen. Trauer überwältigte sie als ihr Wunsch und kleiner Traum starb, vernichtet durch die Hände der Drachenblütigen und den Erwählten der fünf Jungfern des Schicksals. Zusammen mit ihrer Mutter erging sie sich das erste Mal vollständig in Trauer und Wut. Das erste Mal flackerte ihr Licht in Flammen heißer und tödlicher als die Hölle und röter als das Blut der Welt. Sie brachte schnellen und gnädigen Tod den Mördern, denn sie war Lichtfeder, der rechte oder letzte Weg im Konflikt. Sie rettete ihre Mutter, die sich in ihrer Wut gegen die Übermacht stürzte, denn sie war Lichtfeder, die Klinge aus Licht mit dem ewigen Willen zur Hoffnung. Und sie sah machtlos wie ihre Mutter ihren Rat ignorierte und sich weiter in endloser Raserei gegen die Verräter warf. Sie wurde der einzige überlebende Zeuge, wie Ewige Nova, ihre Mutter und die Meisterin des Einzigen Punkt, der in das Nichts scheint Stils, ihren grausigen Tod fand, als sie an den tausend und eins Wunden erlag. Und sie weinte Federn aus weißem Licht, denn sie war Lichtfeder, Tochter von Teberion und Ewige Nova, während sie aus der Hand ihrer Mutter zu Boden fiel und die Umgebung in ihre Tränen tauchte.

Die drachenblütigen Verräter hoben sie auf und ein Schauer von Abscheu durchlief ihr Wesen. Das erste Mal zog sie sich aus Hass und absoluter Abscheu in ihre Hülle zurück und weinte. Die Hände der Mörder ihrer Eltern machten sie krank und die Tränen aus weißen Federn quollen weiterhin aus ihr hervor. Gehalten von ihrer Hülle färbten sie ihre Klinge weiß und von nun an war sie Lichtfeder, Klinge aus weißem Licht und dem ewigen Willen zur Hoffnung, Tochter von Teberion und Ewige Nova, die Trauernde mit Tränen aus weißen Federn, der rechte oder letzte Weg im Konflikt.

Nach weiteren 307 Jahren erinnerte sich Lichtfeder zurück an die Hoffnung und die Wünsche, die sie geboren hatten. Der Wunsch nach einer Welt, in der Konflikte ohne Leid gelöst werden konnten. Und als Tochter war es das Einzige, was ihr geblieben war. Das erste Mal überkam sie ihre Trauer und wagte einen Blick in die Welt. Und sie sah eine Welt geprägt von Krieg und Leid, viel mehr so, als sie es in Erinnerung hatte. Das erste Mal fühlte sie Reue. War der Zustand der Welt, die sie einst als Quelle wärmendes Licht gesehen hatte, ihre Schuld? Weil sie sich zurückgezogen hatte, nicht mehr beobachtete, keinen Rat mehr erteilte und nicht mehr das Ende eines Konflikts entschied? War alles eine Kaskade aus Leid gewesen, die bei ihr begonnen hatte? Sie wusste es nicht, und doch war sie der ewige Wille zur Hoffnung. Es gab nur einen Weg für sie zu handeln. Sie würde wieder die Wünsche ihrer Eltern erfüllen. Beobachten, beraten und entscheiden. Auch in den Händen, die sie krank machten, den Händen, den sie ihr Leid zu verdanken hatte. Denn sie war Lichtfeder. Denn das war alles, was sie hatte.
Innerhalb weniger Jahre erkannte sie ihre Naivität. Die Drachenblütigen waren nicht nur Mörder und Verräter. Sie waren auch dumm, eingebildet, naiv auf ihre eigene Art und Weise und grausam aus Notwendigkeit. Niemand in den folgenden Jahrhunderten verdiente je ihr Vertrauen, denn kaum einer begegnete ihr mit dem gewohnten Respekt und die Verräter nahmen ihren Rat als böses Flüstern eines gefährlichen, aber nützlichen Werkes böser Mächte. Und trotzdem hegte sie Hoffnung, dass sie irgendwann jemanden finden würde, der ihre Worte erhören und schätzen würde. Denn sie war Lichtfeder, Klinge aus weißem Licht und ewigen Willen zur Hoffnung, Tochter von Teberion und Ewige Nova, die trauernde Wartende mit Tränen aus weißen Federn, der letzte oder rechte Weg im Konflikt.

Die Enttäuschung wurde immer größer, als niemand ihren Traum zu erfüllen schien. Das erste Mal änderte sie ihr Wesen. Von nun an bot sie sich niemanden mehr an und verschloss sich von den Unwürdigen. Sie wurde zu einem Schloss, das sich seinen Schlüssel selbst erwählte. Während sie wartete, weinte sie in ihre Hülle hinein, denn sie konnte die Frustration nicht ertragen. Nacht für Nacht ohne Führer wurde sie einsamer, denn auch die Erinnerungen an die gute, Licht erfüllte Zeit verblassten langsam angesichts des ewigen Graues der neuen Ära. Und dieses Grau kroch in ihr Wesen, wurde zur Natur ihrer Tränen, denn sie weinte das Leid der Zeit des Tumults. Mit jedem Anwärter, den sie hinfort schickte, erkannte sie die Enttäuschung und das Grauen in den Geistern der Hohen, die ihrer begehrten. Krieg zeichnete sie. Krieg war ihre Erinnerung. Krieg war ihr Mittel sie zu erlangen. Und jedem einzelnen verweigerte sie sich, bis sie sich völlig zurückzog und nicht einmal mehr sprach, denn alle sprachen Geschichten von Tod und Krieg, der sich um sie drehte. Selbst von Kriegen, die sie mit Lichtfeders Hilfe gewinnen würden, träumten sie. Sie, die Klinge aus weißem Licht und ewigem Willen zur Hoffnung, verlor die Hoffnung, denn der Krieg schien ihr zu folgen, wohin sie auch gebracht wurde, egal was sie tat. Das erste Mal gab sie einen Teil ihrer selbst auf, um nicht in Hoffnungslosigkeit zu versinken und zu etwas zu werden, über das sie keine Kontrolle mehr hatte. Nun war sie Lichtfeder, weiße Klinge aus grauem Licht und aufgegebener Hoffnung, Tochter von Teberion und Ewige Nova, die Trauernde um die Welt mit Tränen aus grauen Federn.

Sie weinte um, schlief und träumte von einer Welt, in der das weiche, goldene Licht der Wärme, Hoffnung und Träume noch existierte, während sie sich der Welt verweigerte, unfähig zu glauben, dass es für sie noch Hoffnung gab. Alles, was sie sah, wenn sie in die Welt blickte war ein schwarzer Schatten geworfen von den Ungetümen des Kriegs. In ihrem tiefsten Inneren brannte jedoch noch immer jenes weiche, gelb goldene Licht, das das Geschenk des Lebens ihres Vaters gewesen war. Sie würde lernen müssen es wieder zu sehen, in sich selbst wie auch in der Welt, aber in den Tiefen ihrer Emotionen sehnte sie sich noch immer nach einem Träger der Hoffnung. Denn sie war Lichtfeder. Und würde es auch immer bleiben. Die Klinge aus Licht mit dem ewigen Willen zur Hoffnung. Wenn auch verloren, träumte sie in tränennassen Träumen davon den Willen wiederzufinden. Tochter von Teberion und Ewige Nova. Sie waren ihre Eltern und die einzigen, die sie bis zum heutigen Tag im Herzen hielt. Der letzte Weg im Konflikt. Denn nun verstand sie, dass es im Konflikt keinen rechten Weg geben konnte.

Seit nun über 3 Jahre bin ich begeisterter Spielleiter für Rollenspiele. In erster Linie spielen wir Exalted (die Hohen) und sind mittlerweile auf die 3. Edition umgestiegen. Aber ich habe auch schon Erfahrungen mit Splittermond und Numenera (ich liebe System und Welt) gesammelt. Als Spieler kämen da dann noch DSA hinzu mit dem ich quasi angefangen habe. Aber jetzt leide ich unter dem typischen Spielleiterfluch. Selbst komme ich nur noch selten zum spielen. :D

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